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2015

"Weinender Mond"

Eckhard Berger

Laudatio bei der Ausstellung "Weinender Mond"

von Herrn Eckhard Berger:                                                                                                                     

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Kunstfreundinnen und Kunstfreunde,

wer ist dieser Künstler, der solche meisterhaften Werke schafft? Vorweg die notwendigen biografischen Daten:

1955 - wurde Gennady Karabinskiy in Baranowitschi in Weißrussland geboren.

von 1985 bis 2004 - wohnte und arbeitete in Sankt Petersburg. Hier studierte er Bildende Kunst.

1991 - nahm ihn die Gesellschaft der freien Künstler in Sankt Petersburg als Mitglied auf.

2002 - folgte seine Mitgliedschaft im Genossenschaftsbund der Künstler Russlands und in der Internationalen Föderation von Künstlern (IFA).

2005 - wurde er Mitglied im Bund Bildender Künstler in Oldenburg.

2004 - ein Jahr zuvor, siedelte ist er nach Oldenburg über und wagte hier mit beinahe 50 Jahren einen Neuanfang in einer fremden Stadt.

Gennady Karabinskiy nahm ab 1989 an mehr als 150 Kunstausstellungen (inkl. Ausstellungen in Norwegen, Deutschland, Holland und USA) teil. Er ist in vielen Ausstellungskatalogen und Publikationen vertreten, so z. B. auch in meinen etwa 100 Kunstpraxisbüchern für den Kunstunterricht in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Mein Verleger, mein Team und ich sind darauf sehr stolz. Schüler sollen ihn und sein Werk kennenlernen.

Seine Werke befinden sich mittlerweile in privaten und öffentlichen Sammlungen in Deutschland, Dänemark, Israel, Italien, Japan, den Niederlanden, Russland, Schweden, den Schweiz, Südkorea und den USA. Er ist ein gefragter Künstler. Vieles hat ihn im Laufe seines Lebens bewusst und unbewusst beeinflusst und geprägt, der deutsche und russische Expressionismus, der Surrealismus, sein Kollege Marc Chagall, der wie er aus Weißrussland stammt.

Die Bilder entstehen in einem kleinen Atelier in Oldenburg, in einer ruhigen Umgebung einer modernen Stadt. Er arbeitet mit Öl-, Acryl-, Tempera-, Pastell- und Tuschfarben. Einiges wird auch lithografisch oder mit Ölkreide gerne in Schwarzweiß dargestellt und vervielfältigt. Dass der Künstler sein Handwerk meisterhaft versteht, ist selbstverständlich. Malen ist für Gennady Karabinskiy mehr als der Umgang mit Farben. Er hat ein besonderes Verhältnis zu Farben: Oft wählt er einen dunklen Ton für das Gesicht und lässt den Hintergrund, der nur als Fläche ohne gegenständliche Bindung in Erscheinung tritt, heller aufleuchten. Der Vordergrund soll entgegentreten. Dinge scheinen von den Farben losgelöst zu werden. Alle Farben haben eine reiche Differenzierung, sodass das Spiel der Farben sich über die Gegenständlichkeit hinwegsetzt. Sanft spielt er mit den Kontrasten, ohne Aufdringlichkeiten zu erzeugen. Die Farben sind die Träger einer harmonischen Atmosphäre in den Bildern. Man muss sie auf sich wirken lassen. Mit seinen Schwarzweißarbeiten ist die feine Deutlichkeit und Klarheit der Inhalte weiter gesteigert.

Gennady Karabinskiys zentrales Thema ist und bleiben Menschen, nicht in der Gedrängtheit eines Stadtzentrums, nicht umgeben mit Industrie und Hightec und auch nicht in einem Wimmelbild. In einer stillen beinahe poetisch wirkenden Szenerie stellt er sie dar, einzeln oder in kleiner Anzahl, oft scheinbar bescheiden und im Grunde demütig wirkend.

Selten hat ein Gegenwartskünstler so viel Menschen gemalt. Er verleiht allen Menschenköpfen auch ein individuelles Aussehen. Er will sie als individualisierte Persönlichkeiten zeigen. Jede einzelne Figur ist eine Erfindung, eine Schöpfung, freilich von einer ganz besonderen Art. Er verzichtet auf eine naturgemäße Darstellung. Feine Details werden unwichtig. Er verändert ihre Proportionen und Perspektiven - macht groß, was groß sein soll, macht klein, was klein sein soll. Er zeigt sie disproportional. Er hat seinen Stil mit expressiven und surrealen Elementen. Der Künstler gibt Köpfen und Gesichtern und begleitenden Inhalten daneben, darüber, darunter oder im Hintergrund einen starken Ausdruck, der beim Betrachter tiefes Empfinden, große Wünsche, vielleicht Heimweh oder Sehnsucht oder die Erinnerung an Märchenhaftes oder das eigene Kindsein in der Vergangenheit zum Ausdruck bringt. (Daran schließen sich Fragen: Haben nicht alle Menschen Heimweh, Sehnsucht, Wünsche nach etwas, was immer es auch sein mag?)

Er vermenschlicht Inhalte, z.B. Tiere und Gegenstände, gibt ihnen eine Seele, macht sie zu unseren Partnern, vielleicht auch zu unseren Spiegelbildern. So heißt die Ausstellung weinender Mond. Ein Mond kann nach den Gesetzen der Wissenschaften nicht weinen, jedoch bei Gennady Karabinskiy.

"Weinender Mond"- ist eine Metapher des seelischen Zustandes: mit Verständnis, dass das einzige Leben so kurz ist, wie das Fallen und die Existenz einer Träne.

Da gibt es die junge Frau mit einem innigen Verhältnis zu einem überdimensionierten Fisch. Da gibt es den monumentalen Stuhl, der scheinbar sehnsuchtsvoll aus dem Fenster schaut. Und da ist noch der Flötenspieler, der mit den rauchenden und tutenden Schornsteinen der Schiffe ein soziales Verhältnis eingeht und konzertiert.

Schutz ist für Gennady Karabinskiy immer wieder ein dominantes Thema in einer Welt der Gleichgültigkeit und Fremdheit. Beispiel der Engel über der Brücke über dem tiefen Gewässer. Der Mann mit der Katze in der Schwarzweißarbeit.

Gennady Karabinsky malt frei und mutig aus sich heraus, was er fühlt(ganz im Sinn meines vor einiger Zeit verfassten Buches Kunstmutbuch). Er ruft Empfindungen nur ganz vorsichtig hervor, liebevoll und völlig unaufdringlich. Große Augen mit etwas flehentlichem und tiefem Blick, eine leichte verträumte Geste, Haltungen, die vieldeutig sind ...

Der Betrachter hat das Gefühl der Kontaktaufnahme mit den Bildern, in ihren Bann gezogen zu werden, und schließt sie schnell in seine Betrachtung mit ein. Obwohl wir in den Bildern immer Alltägliches sehen, meistens Menschen, wird uns schnell bewusst, dass Gennady Karabinskiy kein radikaler Weltverbesserer sein will. Er sagt: „Eine humane Kunst, die die menschliche Seele unmittelbar berührt, ist der einzige Weg, um die heutigen Menschen aus der weit verbreiteten Gleichgültigkeit zu erwecken.“ Er erinnert uns, uns mehr wahrzunehmen und uns zu leben - in einer schnellen von zu vielen Reizen überfüllten Zeit, die uns oft von uns ablenkt und zu zerreißen droht. Er will uns helfen, unser Bewusstsein für unser einmaliges Leben zu vergrößern, unser Augenmerk auf mehr zu lenken und das Leben zu leben. Er wirbt für ein liebevolles achtsames Miteinander mit der Botschaft Frieden.

Der Betrachter ist hier eingeladen, seine Kunst zu genießen. Die Bilder wollen angeschaut werden und - das ist das Fantastische - sie schauen an. Sie werden zum Dialogpartner. Deshalb, liebe Kunstfreundinnen und Kunstfreunde, treten Sie in Kontakt mit den meisterhaften Bildern des Gennady Karabinskiy.

Ich beglückwünsche den Ort und die gesamte Region zu dieser so bedeutenden Kunstausstellung.

Ich bedanke mich für Ihre Aufmerksamkeit und wünsche Ihnen viel Spaß mit den Bildern und dem Künstler einen großen Erfolg.

Gerne stehe ich Ihnen für Fragen zur Verfügung. Danke!

Eckhard Berger

teamberger@web.de   www.teamberger.de